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„FBT ist eine großartige Möglichkeit, eine Essstörung zu behandeln!“

„In der FBT sind die Eltern ganz anders eingebunden, Eltern werden als zentrale Behandler integriert. Sie übernehmen vorübergehend Verantwortung für ausreichendes Essen und das Stoppen von Krankheitshandeln. Der Ansatz ist ursachenunabhängig und symptomfokussiert. “

Die familienbasierte Therapie (FBT) gilt in vielen Länder der Welt als eine der wirksamsten Behandlungsmethoden für Jugendliche mit Essstörungen und wird derzeit an zahlreichen Kliniken in Deutschland im Rahmen einer Langzeitstudie erforscht.

Im Interview spricht Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Anna-Lena Kaufmann über ihre Erfahrungen mit FBT, die Versorgungssituation in Norddeutschland, was das für Betroffene bedeutet und welche Möglichkeiten sie haben, um Alternativen zu stationären Aufenthalten zu finden.

Anna-Lena Kaufmann ist approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit Schwerpunkt auf tiefenpsychologisch fundierter Therapie.

Anna-Lena Kaufmann ist approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit Schwerpunkt auf tiefenpsychologisch fundierter Therapie.

Frau Kaufmann, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Sie sind seit vielen Jahren in der Kinder- und Jugendpsychotherapie tätig. Was hat Sie persönlich an diesem Fachgebiet besonders berührt oder motiviert?


Ich wollte schon früh jungen Menschen helfen und verstehen, was sie antreibt und belastet. Unser Beruf ist sehr abwechslungsreich, das schätze ich sehr. Nach dem Studium habe ich in einer Wohngruppe für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen gearbeitet. Dort hat mich das Thema besonders gepackt.

Was ist eine Essstörung?

Essstörungen zählen zu den schwersten psychischen Erkrankungen im Jugendalter und benötigen oft lange Behandlungszeiträume. Essen, Körperbild und Gewicht dominieren Denken, Fühlen und Verhalten. Häufig dient Essen oder Nicht-Essen der Emotions- und Stressregulation, mit ernsten gesundheitlichen Folgen. Betroffen sein kann jede Person, unabhängig von Gewicht, Alter oder Geschlecht. Es ist weder eine Phase noch ein Lifestyle.

Wie ist eine Essstörung für Betroffene, deren Eltern und Familien einzuordnen?

Bei Kindern und Jugendlichen ist sie ein klares Alarmzeichen. Essen wird zum Ventil für Stress, Perfektionismus, Identitätsfragen oder Belastungen. Viele Betroffene erleben Ambivalenz. Kontrolle gibt kurz Erleichterung und führt gleichzeitig zu Angst, Scham und Rückzug. Für Eltern und Geschwister ist es hochbelastend. Der Alltag dreht sich ums Essen, Konflikte nehmen zu, Termine häufen sich. Ohnmacht und Angst sind groß, weil das scheinbar Natürlichste, das Kind gut zu versorgen, nicht mehr funktioniert. Früh hinsehen und handeln ist entscheidend. Nach außen wirkt vieles lange funktional, während der innere Druck steigt.

Welche Folgen dieser Erkrankung sind für Sie die schwerwiegendsten?


Am meisten beschäftigt mich das Risiko der Chronifizierung. Mein Ziel ist stets vollständige Genesung, inklusive später selbstbestimmter Lebensentscheidungen. Deshalb arbeite ich eng mit Kinderärztinnen und Kinderärzten sowie Hausärztinnen und Hausärzten zusammen. Je früher wir beginnen, desto eher verhindern wir Folgeschäden.

Wie häufig behandeln Sie Essstörungen von Kindern und Jugendlichen? Hat sich die Zahl oder Schwere der Fälle verändert, und sehen Sie neue Trends?


Ich bin spezialisiert und behandle in meiner Praxis ausschließlich Essstörungen. Seit der Corona-Zeit sind die Anfragen deutlich gestiegen. Für viele bot die Störung im Lockdown scheinbar Struktur und Kontrolle. Aktuell sehen wir häufiger jüngere Kinder im Alter von zehn bis elf Jahren. Social-Media-Trends wie SkinnyTok beeinflussen das Erleben vieler Jugendlicher.

Wie läuft eine Behandlung in Deutschland in der Regel ab?


Der Start ist strukturiert. Zunächst findet eine psychotherapeutische Sprechstunde zur Abklärung des Bedarfs statt. Dann entscheiden wir gemeinsam, ob ambulant behandelt werden kann oder ob ein stationärer oder tagesklinischer Rahmen sinnvoll ist. Es braucht keine Überweisung. Bitte früh melden, damit wir zügig den passenden Weg planen.

Wie läuft eine Behandlung bei Ihnen ab?


Ich biete zeitnahe Sprechstundentermine an, kläre auf, stabilisiere wo möglich und unterstütze bei Bedarf bei der Kliniksuche. Nicht allen kann ich einen Therapieplatz anbieten. Bis zu fünf Sprechstundentermine können helfen, den Eltern und Betroffenen einen Überblick bzgl der nächsten Schritte zu geben und erste Strukturen aufzubauen. Wenn ich einen Platz vergebe, arbeite ich meist kombiniert in Gruppe und Einzel: Auch wenn die Gruppe anfangs skeptisch macht, ist sie am Ende oft das meistgenannte Highlight. Die Eltern versuche ich regelmäßig einzubeziehen; aktuell läuft eine Müttergruppe. Weil meine Kapazitäten begrenzt sind, habe ich mich entschieden auf Social Media aktiv zu werden, um aufzuklären und mehr Menschen zu erreichen.

Gibt es aus Ihrer Praxis Erfahrungen über den Erfolg von stationären im Vergleich zu ambulanten Behandlungen?


Bei Essstörungen hat beides seinen Platz und oft ist die Kombination am wirksamsten. Ich sehe die stationäre Therapie als einen Baustein. Stationär geht es zuerst um Sicherheit: Vitalwerte und Gewicht stabilisieren und destruktive Muster durchbrechen. Die klare Tagesstruktur rund um Mahlzeiten und Bewegung empfinden viele Betroffene als echte Entlastung: Endlich muss nicht mehr ständig verhandelt werden, was „richtig“ oder „genug“ ist. Danach beginnt die eigentliche Bewährungsprobe im Alltag: ambulant übertragen wir das Erarbeitete in „echte“ Situationen, wir arbeiten an Ambivalenz, Körperbild und Perfektionismus, binden Familie/Eltern bewusst ein und bauen einen Rückfall- und Krisenplan auf. Der schwierigste Moment ist häufig der Übergang aus der Klinik, dieser geschützte Raum fühlt sich ein wenig wie unter einer Käseglocke an. Zuhause warten Schule, Apps, Sport, Kommentare. Genau hier braucht es eine gute Brücke: klare Ess-Strukturen zu Hause, engmaschige Termine, Absprachen mit der Schule und Eltern. Darum, wenn das eigene Kind in einer Klinik ist und noch keine Anschlusstherapie vorhanden, bitte frühzeitig kümmern.

Welche Faktoren können eine Essstörung bei jungen Menschen begünstigen? Welche Rollen spielen soziale Medien, familiäre Dynamiken, gesellschaftlicher Druck und erbliche Veranlagung?


Essstörungen entstehen selten durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch das Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Vulnerable Temperamente wie Perfektionismus, hohe Kontrollbedürfnisse oder Angst erhöhen das Risiko besonders in der Pubertät mit ihren starken Körper- und Gefühlsveränderungen. Soziale Medien verstärken Vergleiche und Ideale, normalisieren teils extremes Ess- oder Fitnessverhalten. Familien verursachen Essstörungen nicht; förderlich sind offene, wertschätzende Gespräche und gemeinsame Mahlzeiten, während Leistungsdruck, Kontrolle oder Körperkommentare das Risiko erhöhen. Gesellschaftlich wirken Diätkultur, Schlankheitsnormen und Gewichtsstigma wie ein Verstärker. Genetische Faktoren sind bedeutsam, sie schaffen eine Anfälligkeit, die unter bestimmten Umweltbedingungen wirksam wird. Oft beginnt es mit „harmlosen“ Diäten und positiver Rückmeldung auf Gewichtsverlust; daraus entwickeln sich rigide Regeln und Kontrollverhalten. Schutz bieten Struktur im Alltag, regelmäßige Mahlzeiten, digitale Pausen, ein breiter Selbstwert jenseits von Aussehen und Leistung und vor allem frühe, niedrigschwellige Hilfe.

Gibt es Warnzeichen, die Eltern, Angehörige oder Lehrkräfte unbedingt kennen sollten?

Eindeutig ist natürlich schwierig zu sagen, aber bei dabei sollte man aufmerksam werden: • Plötzliche Gewichtsveränderung oder Ausbleiben der erwarteten Zunahme in der Pubertät. • Auffälliges Essverhalten: Mahlzeiten auslassen, extrem „gesund“/rigide Regeln, heimliches Essen, viel Wasser/Kaffee/Cola statt Mahlzeiten. • Kompensation: häufiges Toilettengehen nach dem Essen, Erbrechen, exzessiver „Ausgleichssport“, Abführmittel/Diuretika. • Stimmung & Denken: starke Figur-/Kalorienfixierung, Angst vor bestimmten Lebensmitteln, Gereiztheit, Rückzug, Konzentrationsabfall. • Soziales Meiden von Esssituationen (Familienessen, Klassenfeiern) und neue „Verbote“ ohne medizinischen Grund. • Auch wichtig: sehr große Essmengen in kurzer Zeit + Scham (Binge-Eating) oder extreme Selektivität/Angst vor Essen ohne Körpersorge (ARFID). Bitte keine Gewichtsabnahme positiv hervorheben. 

Was kann im Alltag konkret zur Prävention beitragen, in Familie und Schule?

Regelmäßige, gemeinsame Mahlzeiten ohne Screens und ohne „gut/schlecht“-Labeln schaffen Sicherheit. Sprecht wertschätzend über Stärken und Anstrengung statt über Körperform oder Gewicht. Vorbild sein wirkt: keine Diäten vorleben, keine Kalorien-Apps teilen, keine Schritte „sammeln“ sondern Genuss, Bewegung und Pausen balancieren. Helft Kindern, Gefühle zu benennen („Was spürst du im Körper, was denkst du gerade?“), Essen ist kein Stimmungsregler. Kuratierte Feeds, Gespräche über Filter und feste digitale Pausen stärken Medienkompetenz. In der Schule zählen Klima und Sprache: keine Abnehm-Challenges, kein Body-Shaming, sondern Körpervielfalt und Fakten statt Essensmythen. Sport ohne Kalorienfokus, Freude, Technik und Teamgeist stehen im Vordergrund. Frühe Signale ernst nehmen, kurze Wege nutzen (Vertrauenslehrkraft → Schulsozialarbeit → Eltern → Ärzt*in) und Hilfe normalisieren.

Welche Behandlungsansätze haben sich aus Ihrer Sicht besonders bewährt?


Am wirksamsten ist ein früher, multidisziplinärer Start. Medizinische Stabilisierung, Ernährungsaufbau und Psychotherapie laufen parallel.

Die Familienbasierte Therapie FBT gilt als vielversprechend, gerade bei Kindern und Jugendlichen. Was unterscheidet diesen Ansatz von klassischen Therapien?


In der FBT sind die Eltern ganz anders eingebunden, Eltern werden als zentrale Behandler integriert. Sie übernehmen vorübergehend Verantwortung für ausreichendes Essen und das Stoppen von Krankheitshandeln. Der Ansatz ist ursachenunabhängig und symptomfokussiert. Zuerst stehen medizinische Stabilisierung und Ernährungsaufbau im Fokus, danach folgt die Feinarbeit. Durch Externalisierung, die Essstörung ist der Gegner und nicht das Kind, sinkt Schuld und die Allianz wird gestärkt. Kinder und Jugendliche müssen natürlich bereit sein mitzuarbeiten, es ist manchmal nicht so einfach, gerade in dieser Lebensphase, wo man eigentlich in die Autonomie möchte, sich wieder in diese „Abhängigkeit“ von den Eltern zu begeben. Aber wenn es für alle vorstellbar ist, dann ist es eine großartige Möglichkeit.

Können Sie FBT praktizieren oder streben Sie das an? Welche Voraussetzungen und Hürden sehen Sie?


Ja, das ist mein Ziel. FBT kann vielen Familien wirksam helfen und es kann so manchen Klinikaufenthalt ersparen. Dadurch das die Eltern von Anfang an eingebunden werden, entsteht auch nicht die Schwierigkeit, wie nach einer Klinikentlassung, wo Eltern und Kind häufig überfordert sind. Ich stehe auf der Interessentinnen- und Interessentenliste der Charité für die Weiterbildung im nächsten Jahr. Die Rahmenbedingungen müssen für uns ambulante Therapeuten passen. Dazu gehören verlässliche Ernährungsberatung, realistische Zeitfenster pro Familie und eine tragfähige Finanzierung.

Viele Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten stehen FBT kritisch gegenüber. Woran liegt das und wie sehen Sie das?


Skepsis entsteht oft, weil FBT für Eltern fordernd ist und im Praxisalltag Organisation braucht. FBT passt auch nicht für jede Familie. Wenn Verfügbarkeit, Sicherheit oder Dynamik es nicht erlauben, braucht es andere Wege. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, überzeugt mich FBT. Sie stabilisiert schnell und aktiviert Eltern als wichtigste Ressource. Gute FBT bedeutet enge medizinische Anbindung, Ernährungstherapie, klare Phasen, viel Begleitung und Flexibilität.

Eltern gelten in Deutschland oft als Teil des Problems. Wie sollten Eltern damit umgehen, gerade im Kontakt mit Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten?


Diese Sicht ist überholt. Eltern sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Trifft eine Familie auf Fachpersonen mit einer anderen Haltung, empfehle ich, das offen zu klären. Bei Bedarf sollte man Behandlung und Team wechseln.

Wie stehen Sie zur Annahme, Eltern seien schuld an der Essstörung ihrer Kinder?


Eltern sind für mich Teil der Lösung. Sie schaffen Struktur, ermöglichen regelmäßige Mahlzeiten und stabilisieren den Alltag. Die Frage ist nicht, wer schuld ist, sondern was jetzt hilft. Medizinische Sicherheit, Essrhythmus, Schutz vor Kompensation und klare Vereinbarungen. Gleichzeitig ermutige ich Eltern, den eigenen Umgang mit Essen, Emotionen und Körperthemen zu reflektieren und mögliche Aufrechterhaltung zu erkennen.

Ihre Praxis ist in Flensburg. Wie ist die Versorgung in Norddeutschland?


Die Anfragen übersteigen häufig meine Möglichkeiten, und passende Weiterverweisstellen sind begrenzt. Im Vergleich zu anderen Bundesländern erlebe ich weniger spezialisierte Angebote für Kinder und Jugendliche. Besonders knapp ist ernährungstherapeutische Expertise. Familien brauchen gerade am Anfang enge, koordinierte Unterstützung. Ich setze mich für Vernetzung und Kapazitätsausbau ein und freue mich über Kontakte von qualifizierten Kolleginnen und Kollegen mit Essstörungs-Erfahrung.

Bisher nimmt keine Klinik aus Norddeutschland an der FIAT-Studie teil. Wie bewerten Sie das?


Es tut sich etwas. Erste norddeutsche Zentren beteiligen sich oder bereiten die Teilnahme vor, u.a die Klinik Lüneburger Heide und die Seepark Klinik sowie Kiel.

Manche Betroffene lehnen die Aussage ab, Essstörungen seien auch genetisch mitbedingt. Warum?


Der Begriff Genetik klingt schnell nach Schicksal oder unveränderbar. Mir ist wichtig: Genetik bedeutet Anfälligkeit, keine Festlegung. Genau dort setzen wir an. Viele brauchen das Gefühl von Wirksamkeit. Genetisch mitbedingt wird dann leicht missverstanden. Ich erkläre es so: Die Gene sind wie der Boden, in den ein Samen fällt. Wetter, Pflege und Umgebung entscheiden, wie etwas wächst und wie wir es wieder in Balance bringen. Dieses Verständnis entlastet von Schuld und lenkt die Energie dorthin, wo Veränderung möglich ist. Dazu gehören regelmäßiges Essen, Schutz vor Kompensation, Emotionsregulation und verlässliche Strukturen.

Was raten Sie betroffenen Familien in Norddeutschland, wenn ein Kind an einer Essstörung erkrankt?


Nehmen Sie die Signale ernst. Suchen Sie früh Hilfe. Sprechen Sie Ihr Kind offen und liebevoll an. Wenn ihr Kind noch nicht bereit ist, suchen Sie sich Hilfe, um mit Fachleuten zu besprechen, wie die nächsten Schritte aussehen können.

Können Städte, Gemeinden und Kommunen etwas tun, um die Behandlung zu verbessern?


Wenn ich mir etwas wünschen dürfte... Eine kommunale Lotsenstelle, die schnell berät und gezielt weitervermittelt. Verbindliche Netzwerke aus Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychotherapie, Jugendhilfe und Ernährungsfachkräften mit klaren Überweisungswegen und Notfallpfaden. Frühe Hilfe durch kurze Screenings in Praxen, kommunale Erstberatung und Brückenangebote bis zum Therapiebeginn. Dazu eine gezielte Förderung der Ernährungstherapie mit Kooperationsverträgen, Zuschüssen und einer Anbieterübersicht. In Schulen wünsche ich mir regelmäßige Fortbildungen zu Warnzeichen und Umgang, eine klare Absage an Body-Shaming sowie Aufklärungskampagnen und eine transparente Übersicht zu Wartezeiten und Angeboten für Familien.

Was ist Ihr dringlichster Wunsch an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?


Mein Wunsch ist, dass die Dringlichkeit erkannt wird und klar ist, dass eine Essstörung nicht am Erscheinungsbild erkennbar sein muss. Wir brauchen mehr Kapazitäten in Ambulanzen, Tageskliniken und Stationen und eine angemessene Vergütung wirksamer Bausteine wie familienbasierte Behandlung, geschulte sozialpädagogische Familienhilfe, Ernährungstherapie und enges medizinisches Monitoring. Ergänzend braucht es Brückenangebote und kommunale Lotsenstellen, die Wartezeiten überbrücken. Gesellschaftlich gilt es, Gewichtsstigma abzubauen, Körpervielfalt sichtbar zu machen und gesunde Bewegung selbstverständlich zu integrieren. Ganz zentral ist Medienkompetenz von klein auf. Kinder und Eltern sollten verstehen, dass Social Media nicht die Realität zeigt. Filter, Bearbeitung und kuratierte Inhalte laden zum Vergleich ein und machen unzufrieden. Wenn wir Ressourcen stärken, Zugänge vereinfachen und zugleich klug aufklären, sinken Neuerkrankungen. Betroffene erhalten schneller wirksame Hilfe.

Frau Kaufmann, vielen Dank für das Gespräch.